Yoga Ursprünge und Tradition

Yoga wird von verschiedenen Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen praktiziert. In vielen Fitness-Studios gehören Yoga-Stunden fest zum Programm, Yoga-Kurse werden von den Krankenkassen gefördert und häufig bieten Unternehmen Yoga für Mitarbeiter an. Auch in der spirituellen Szene ist Yoga nicht wegzudenken. Und dann gibt es in jeder Großstadt trendige Yogastudios, die von Aerial und Acro über Hot Yoga bis Jivamukti moderne Yogastile anbieten.

Das Besondere am Yoga ist, dass jeder davon profitiert – egal, aus welchen Gründen, in welchem Studio oder in welchem Stil geübt wird. Das Wichtigste ist die regelmäßige Praxis. Dennoch kann ein bisschen Theorie auch nicht schaden. In diesem Artikel gebe ich dir einen Überblick über die Ursprünge des Yoga. Vielleicht wirst du überrascht sein, dass Yoga viel mehr als Stretching ist. Der Fokus auf die körperlichen Übungen ist ein relativ neuer Aspekt einer Tradition, deren Ursprünge bis 1500 v. Chr. zurückgehen.

Die Vedas, Rishis und heilige Texte

1500 v. Chr. wurde Yoga erstmals in der Rig Veda erwähnt, einem der ältesten heiligen Texte der Welt. Die Rig Veda wurde damals in Indien von so genannten Rishis – „Sehern“ – gelesen und interpretiert. Es handelte sich hauptsächlich um eine Zusammenstellung von Ritualen und Bräuchen, mittels derer eine Verbindung zu einer mystischen Geisterwelt hergestellt werden sollte. Menschen wandten sich damals an die Rishis, um Erleichterung in ihrem Leben oder sogar Erleuchtung zu finden.

Über viele Jahre hinweg entwickelten Rishis und indische Priester Yoga weiter. Die damit im Zusammenhang stehenden Praktiken, Glaubensvorstellungen und Techniken sind in den Upanischaden niedergeschrieben. Das sind über 200 Dokumente, in denen es hauptsächlich um das Selbst und das Erreichen absoluter Wahrheit geht. Das Bekannteste dieser Dokumente ist die Bhagavad Gita. Sie wurde ungefähr 500 v.Chr. verfasst.

Patanjali: Vater des „modernen“ Yoga

Patanjali gilt als Verfasser der Yoga Sutras. Genauer gesagt sind die Yoga Sutras 195 Aphorismen, die den Kern des Yoga zusammenfassen. Damit schuf Patanjali eine Zusammenfassung und Systematisierung der vielen bestehende Schriften. Es ist heute nicht nachvollziehbar, ob Patanjali historisch tatsächlich existierte. Vielleicht handelte es sich auch um eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam die Yoga Sutras verfassten. In den Yoga Sutras ist Ashtanga Yoga, der achtarmige Yoga-Pfad, beschrieben (der von Pattabhi Jois entwickelte Yogastil Ashtanga Vinyasa Yoga wird häufig auch kurz als Ashtanga Yoga bezeichnet. Hierbei handelt es sich jedoch um eine bestimmte Übungssequenz und nicht um eine Philosophie!). Hier erfährst du mehr über Ashtanga Yoga, den achtarmigen Pfad zur Erleuchtung.

In den auf die Yoga Sutras folgenden Jahrzehnten interessierten sich einige Yogis stärker für den physischen Körper und lernten, diesen als Mittel für Gesundheit und ein langes Leben wertzuschätzen. Auf diesem Interesse für den menschlichen Körper gründet das heutige Hatha Yoga.

Swami Vivekananda hielt 1893 auf dem Kongress der Religionen in Chicago eine Rede über die Yogatradition. Damit wurde Yoga erstmals im Westen bekannt. Pramanhansa Yogananda verbreitete die Yogapraxis und -philosophie flächendeckender in den USA. Sein Buch „Autobiografie eines Yogis“ ist weit bekannt und inspirierte unter anderem Steve Jobs und die Beatles.

Ein Lehrer, drei Schüler, drei Yogaschulen

Den größten Einfluss auf die moderne Yogapraxis hat unumstritten der in Indien geborene Sri Kishnamacharya. Er sammelte Informationen zur traditionellen Hatha Yoga-Praxis und systematisierte diese. Er eröffnete 1924 die erste Hatha Yoga-Schule. Seine bekanntesten Schüler sind T. K. V. Desikachar, B. K. S. Iyengar und Pattabhi Jois. Obwohl diese drei von dem gleichen Lehrer unterrichtet wurden, interpretieren sie Yoga jeweils auf ihre ganz eigene Weise. Desikachar, Sohn Krishnamacharyas, ist für die Entwicklung des Vinyasa Yoga-Stils bekannt. Im Iyengar-Yoga wird großer Wert auf Unterstützung des Körpers mit Hilfsmitteln wie Blocks oder Gurten gelegt. Pattabhi Jois „erfand“ Ashtanga Vinyasa Yoga, eine streng festgelegte und physisch fordernde Asana-Sequenz. Die Dokumentation „Breath of the Gods“ ist für weitere Hintergrundinformationen sehr zu empfehlen.

Das ist ein kurzer Überblick über den Ursprung des Yoga aus heiligen Schriften, die Verbreitung der Yogatradition über die ganze Welt und deren moderne Weiterentwicklung. Interessanterweise ist der körperliche Aspekt, den heutzutage die meisten Menschen mit Yoga verbinden, ziemlich spät populär geworden. Traditionell lag der Fokus ganz klar auf der Meditation und Asanas dienten hauptsächlich dazu, den Körper auf langes, meditatives Stillsitzen vorzubereiten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ein Gedanke zu “Yoga Ursprünge und Tradition”