Ashtanga Yoga – Anleitung zur Erleuchtung

Im zweiten Kapitel von Patanjalis Yoga Sutras werden die Grundlagen des Ashtanga Yoga gelegt. Frei übersetzt beschreibt Ashtanga den achtarmigen Pfad zur Erleuchtung. Achtung: Ashtanga Vinyasa, die von Pattabhi Jois entwickelte Yoga-Sequenzen, ist wieder etwas anderes! Falls du verwirrt bist, lies hier mehr über die Geschichte und Ursprünge des Yoga nach.

1. Yama

Yama beschreiben persönliche Haltungen, Werte und Einstellungen. Diese richten sich auf Beziehungen und das weltliche Leben. Die fünf Yama sind:

  1. Ahimsa = Gewaltlosigkeit
  2. Satya = Ehrlichkeit
  3. Asteya = Nicht-Stehlen
  4. Brahmacharya = Wird teilweise als Abstinenz übersetzt, ich verstehe es allerdings eher als ein gezieltes Nutzen der Sexualenergie
  5. Aparigraha = Nicht-Horten/Nicht-Anhäufen

Die Yama sind keine Regeln, sie sind Empfehlungen. Sie können auf dem Weg zum Erreichen der Erleuchtung oder Glückseligkeit hilfreich sein. Dennoch sollte jeder selbst prüfen, was für ihn hilfreich ist und was nicht. Ahimsa ist den anderen Yama übergeordnet und sollte bei Entscheidungen stets den ersten Stellenwert haben.

2. Niyama

Die Niyama sind weitere Empfehlungen, die eher nach innen gerichtet sind. Sie beschreiben den Umgang mit sich selbst.

  1. Saucha = Sauberkeit
  2. Santosha = Zufriedenheit
  3. Tapas = Disziplin
  4. Svadyaya = Selbstreflektion/Selbststudium
  5. Ishvara Pranidhana = Hingabe an Gott oder eine höhere Macht

Mit Sauberkeit ist Reinhalten des Körpers gemeint – auf physischer und psychischer Ebene. Es gibt verschiedene Praktiken, die den Körper äußerlich reinigen, beispielsweise die Nasenspülung (Njeti). Auch psychische „Reinheit“ wird empfohlen. Das kann als das bewusste Wählen positiver Gedanken interpretiert werden. Das bewusste Ablehnen negativer Gedanken, die das Selbst oder andere Menschen verletzen, gehört auch dazu und geht mit dem Ahimsa-Prinzip Hand in Hand. Mit Disziplin ist die regelmäßige Praxis gemeint. Yoga lebt von der Erfahrung. Lesen reicht leider nicht aus, um zur Erleuchtung zu gelangen. Eine tägliche zweistündige Asanapraxis reicht allerdings auch nicht aus. Der achtarmige Pfad beschreibt das Anstreben der acht Pfade gleichermaßen, wobei nie alle erreicht werden können – es ist eine Entwicklung und ein Prozess.

3. Asana

Erst an dritter Stelle werden Asana, die physische Yogapraxis, genannt. Asana bedeutet wörtlich „Sitz“, Stira Skuham Asanam bedeutet in etwa „stabiler und gemütlicher Sitz“. Asanapraxis soll den Körper darauf vorbereiten, während der Meditation lange Zeit über unbeweglich zu sitzen. Bequem im Meditationssitzen kann nur jemand, dessen Hüften offen und Rücken entspannt sind. Das ist das eigentliche Ziel der Yogapraxis. Ein Ziehen in den Oberschenkeln oder ein Stechen in der Schulter würde den Yogaschüler von der Meditation ablenken und somit vom Pfad zur Erleuchtung abbringen.

4. Pranayama

Pranayama sind Atemübungen. Der Atem ist unsere Lebensenergie. Unser Leben spannt sich zwischen unserem ersten Atemzug, den wir als Baby direkt nach der Geburt nehmen, und unserem letzten Hauch auf. Ohne Atem ist unser Körper unbelebt. Das Ziel von Pranayama ist es, zu lernen, diese Lebensenergie zu kultivieren und zu unserem Vorteil zu nutzen. Der Atem spielt außerdem eine wichtige Rolle als Vehikel, das uns vom Geist zum puren Gewahrsein transportiert.

5. Pratyahara

Pratyahara beschreibt das Zurückziehen der Sinne. Wer Pratyahara übt, ist sich seiner Sinneswahrnehmungen zwar bewusst, aber haftet nicht daran an. Das heißt, die Gedanken schweifen bei der Wahrnehmung von Geräuschen oder Gerüchten nicht ab. Das Ziel von Pratyahara ist es, die ungeteilte Aufmerksamkeit auf das Innere zu richten.

6. Dharana

Konzentration. Dharana meint Konzentration auf ein Mantra, Konzentration auf ein Körperteil, oder auch Konzentration auf alltägliche Arbeiten. Dharana-Praxis kann gut in den Alltag eingebunden werden, indem darauf geachtet wird, Multitasking zu vermeiden und stattdessen in jede Aktivität ganz einzutauchen. Das bedeutet auch, sich ganz dem Moment hinzugeben.

7. Dhyana

Dhyana ist Meditation und folgt natürlicherweise aus den vorhergehenden zwei Schritten. Meditation meint die komplette Absorption des Objekts, welches fokussiert wird. Der Geist ist ruhig und still, es herrscht pures Gewahrsein.

8. Samadhi

Erleuchtung oder Glückseligkeit – der letzte Schritt. Durch den Zustand kompletter Absorption des Objekts wird das Selbst transzendiert. Das hört sich schwer greifbar an und tatsächlich ist es nahezu unmöglich, Samadhi mit Worten zu beschreiben. Eine andere Möglichkeit, Samadhi zu verstehen, ist direkte Erfahrung des Einsseins. Nur sehr wenige Menschen auf dieser Welt erreichen Samadhi. Und selbst bei ihnen handelt es sich um Momente, nicht um lange Zeitspannen in diesem Zustand der Erleuchtung.

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